Nachruf für Frau Renate Bethge, † 8.7.2019

1980 besuchte ich mit einem amerikanischen Studenten das Haus Renate und Eberhard Bethge in Wachtberg-Villiproth bei Bonn. Es gab zum Mittag Suppe. Renate Bethge tischte auf und überließ ihrem Mann die Gesprächsführung zum Thema „Dietrich Bonhoeffer“. Ich erinnere mich, dass sich beide insbesondere um den amerikanischen Studenten kümmerten. Im Hausflur hing eine große Kopie des Fotos Bonhoeffers im Juni 1944 im Gefängnishof in Berlin-Tegel. Eberhard Bethge liebte dieses Bild besonders.

Erst später habe ich wahrgenommen, dass und welche bedeutende Rolle Renate Bethge bei der Weitergabe des theologischen Erbes Dietrich Bonhoeffers gespielt hat. Sie hat sich bei der Herausgabe des Bonhoeffer-Gesamtwerkes verantwortlich beteiligt, eigene Beiträge zu Bonhoeffer veröffentlicht und dabei einen besonders wichtigen Aspekt für das Verständnis Bonhoeffers beigetragen: Dietrich Bonhoeffer sei, so Renate Bethge völlig zu Recht, viel stärker von seiner Familie geprägt gewesen, als seine theologischen Ausleger oft wahrgenommen hätten. Seine Gefängnistheologie und auch das weltberühmt gewordene Gedicht „Von guten Mächten“ sei im Grunde eine Rückkehr Bonhoeffers zu seinen familiären Wurzeln gewesen.

Mit Renate Bethge ist eine der letzten Familienmitglieder, die Bonhoeffer persönlich gut gekannt haben, gestorben. Alle, die sie kannten, werden sie sehr vermissen und sind dankbar, sie erlebt zu haben.

Dr. Bernd Vogel