Veranstaltungen der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg

Programm am Donnerstag, 21. 11. 2019 um 19:00

Der im Westen weithin verschwiegene Krieg in der Ukraine, Bericht einer Reise in die Ukraine

Auf unserem letzten Treffen hatten wir nach dem Beitrag von Horsta heftig diskutiert, uralte Anliegen und Fragen an und über die Kirche, die Notwendigkeit ihrer Veränderung, wir hatten uns diesmal vor allem auch über die klandestinen und nicht so klandestinen Verbindungen zwischen Kirche und Staat und den sich daraus ergebenden Realformen ihrer gesellschaftlichen Existenz gesprochen. Eine unfertige Diskussion, die, ich gestehe, nicht ganz ohne Hitzigkeiten vonstattenging. Wenigstens ergab sich daraus, dass wir in der kommenden Sitzung nochmals einsteigen wollen in diese Diskussion nochmals einsteigen.

Blicken wir hier ein wenig in Bonhoeffers Texte, von denen viele geradezu Auftrag und Weg der Kirche verfasst sind. Hier greife auch diesen nur zwei heraus.

Am 26. Februar 1933 (Estomihi), in seiner ersten Predigt nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, predigte Bonhoeffer in der Dreifaltigkeitskirche über den Text aus dem Buch Richter, 6,15ff; 7,2; 87,23, das dramatische Gespräch zwischen Gott und Gideon, das Volk zu befreien, ein Gespräch, in dem Gott sich voller Spott äußert über jegliche herrische Arroganz und Selbstherrlichkeit auf Seiten jener, die das Befreiungsmandat eigentlich tragen, über mögliche „Sieger“ die sich selber feiern, „Demütige“, deren Demut reine Herrschaftsideologie ist und die darüber vergessen, wer der eigentliche „Herr“ ist. Er, Gideon, der Unscheinbare, der nicht anders ist als alle anderen oder doch als die meisten Menschen im Land, so Bonhoeffer, er ist berufen, das Volk aus der Hand der Midianiter zu befreien: „Herr, wie soll ich diese Befreiung verrichten?“ So fragt Gideon, und, so Bonhoeffer, so fragen wir als protestantische Kirche, „eine unter vielen anderen in der Welt“, an die der Ruf Gottes ergeht. Der Ruf an Gideon ist der Ruf an die Kirche: „… du sollst die Menschen befreien von den Ketten der Furcht und der Feigheit und des Bösen. (Die Kirche) sieht (aber) ihre eigene Leere und Öde und spricht voll Angst: … Womit soll ich das Volk erlösen?“ Und Bonhoeffer fährt fort. „Mach ein Ende mit der Knechtschaft, in der du lebst, mach ein Ende mit der Lebensangst, die in dir zehrt, mit der Macht der Begierde … mit deinem … selbstgefälligen Alleinsein … und Eitelkeit, mach dich frei.“

Es lohnt sich, diese Predigt in Gänze zu lesen (Dietrich Bonhoeffer, Band IV der Ausgabe von 1961, gewiss auch in der neuen siebzehnbändigen Ausgabe zu finden.) Sie ist voller Allegorien, die wir auf unsere Kirchendiskussion übertragen können. Welchen anderen Auftrag könnte die Kirche denn haben als den der Befreiung der Menschen aus ihren Ketten, und: muss sie nicht deswegen sich selber aus ihren Ketten befreien? Wir möchten dem zustimmen, aber dann müssen wir konkret werden. Wir dürfen dabei allerdings Gottes Auftrag an uns und Gottes Tun „durch Christus unseren Herrn“, wie wir immer wieder beten nicht vergessen und die Befreiung zu unserem eigenen Tun, die Gedanken zur Befreiung zu unseren eigenen intelligiblen Taktiken und Strategien werden lassen; das ist die Quintessenz der Predigt Bonhoeffers. Zugleich möchte ich sagen „allein zu unseren … Taktiken und Strategien werden lassen“, denn natürlich gehören sie als unsere „eigenen Taktiken und Strategien“ in den Weg des Befreiungsprozesses der Kirche aus ihren Ketten hinein. Geht es uns aber allein um einen „Umbau der Kirche“, ist dieses Bemühen zu kurz gegriffen. Müssten wir uns nicht fragen, von welchen Ketten die Kirche die Menschen eigentlich befreien müsste und dabei zugleich erkennen, dass solche Ketten mitunter auch die der Kirche sind. Brauchen wir also eine „Befreiungstheologie“ in unserer Gesellschaft, und müsste jede Diskussion über den möglichen Umbau der Kirche nicht eine sehr praxisbezogene befreiungstheologische sein, wobei die gesellschaftsbezogene Befreiungstheologie den deutlichen ersten Schritt darstellte? Ergänzend ist dazu interessant die Vorlesung Bonhoeffers „Das Wesen der Kirche“ (SS 1932), die wir im Anhang zur Bethges Biographie Bonhoeffers (ebenda S. 1057ff) finden können. Teile dieses Textes könnten direkt aus unserer Zeiterfahrung mit der Kirche genommen sein.

Vor uns liegt eine lange Strecke gemeinsamer Diskussion und Bonhoeffer ist für uns der „Stachel im Fleisch“, der kleinere allerdings, denn der große Stachel im Fleisch ist allemal das Evangelium, auf das Bonhoeffer uns immer wieder verweist. Wir treffen uns am Tag nach dem Buß- und Bettag, ein angemessener Rahmen, denke ich! Übrigens das im Dietrich-Bonhoeffer-Verein bereits existierende Papier der „Drei-Säulen-Modell“ ist damit nicht vergessen.

Verlauf unserer Sitzung:

1. Themenpunkte:

  1. Fortsetzung der Aussprache /Diskussion um Horstas Thesen, die ich im Anhang hinzufüge.
  2. Diskussion eines Papiers von Jens Herzer, das uns Friedrich Miehe aus Torgau zuschickte.
  3. Bringt doch möglichst, die beiden Bonhoeffer-Texte (Die Gideon-Predigt und die Vorlesung) mit.

2. Organisatorisches:

a. Diskussion um die Zukunft unserer Treffen

b. Verschiedenes