Samstag, 25. März 2017
Wo bin ich? -> Dietrich-Bonhoeffer-Verein / Presse / PUBLIK-FORUM<br/>vom 17. Mai 2013

»Geld redlich einnehmen«

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Warum will der Dietrich-Bonhoeffer-Verein ein kircheneigenes Beitragssystem?
Fragen an Pfarrer Karl Martin


Von Hartmut Meesmann

Der Dietrich-Bonhoeffer-Verein fordert seit vielen Jahren ein kircheneigenes Beitragssystem. Warum findet dieser Vorschlag in den Kirchen keine Zustimmung?
Karl Martin: Die Kirchen sind regelrecht auf das Kirchensteuersystem fixiert. Sie wollen bewusst nicht auf alternative Vorschläge eingehen. Sie ahnen zwar, dass sich die Dinge irgendwann ändern werden, wollen dies aber möglichst hinauszögern.

Es gibt die Befürchtung, dass der Aufbau eines kircheneigenen Beitragssystems die Kirchen zu teuer kommen könnte.
Martin: Wir verweisen dazu auf eine schriftliche Erklärung von Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, aus dem Jahr 2011, nach der eine eigene kirchliche Steuerverwalturig nicht teurer käme als das Entgelt für den Einzug durch die Finanzämter.

Viele sehen im staatlichen Einzug der Kirchensteuer eine reine Dienstleistung des Staates. Geht es Ihnen nur um Symbolik?
Martin: Das ist keine reine Dienstleistung. Es wird den Arbeitgebern die Kirchenmitgliedschaft mitgeteilt, die Kirchensteuer wird vom Lohn abgezogen, bevor der Arbeitnehmer den Lohn überhaupt erhält. Das ist ein völlig inakzeptabler Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Er würde bei einem kircheneigenen Beitragssystem entfallen. Das ist für uns ein wichtiger Punkt.

Sie schlagen ein Übergangssystem vor, in dem das derzeitige Kirchensteuersystem und ein freiwilliger »Gemeindebeitrag« nebeneinander stehen. Gemeindebeitrag heißt, dass Menschen der Kirchengemeinde vor Ort ihr Geld geben. Was versprechen Sie sich von diesem Vorschlag?
Martin: So bekämen Menschen, die sich über die Kirchensteuer ärgern - und das sind nicht wenige -, eine vernünftige Alternative, um die Kirche nicht verlassen zu müssen. Aber ich räume sofort ein: Es wäre zugleich ein erster Schritt des Ausstiegs aus dem bisherigen System. Deshalb werden sich die Kirchenleitungen gegen diesen Vorschlag wehren. Unterstützung erhoffen wir uns von der kritischen Öffentlichkeit.

Ein weiterer Vorschlag Ihres Vereins ist, dass die Beitragspflicht erst mit der Religionsmündigkeit einsetzen soll. Warum dies?
Martin: Wir trennen zwischen der Kirchenzugehörigkeit durch die Taufe und der Beitragspflicht. Wir unterscheiden also zwischen der Kirche als Glaubensgemeinschaft und der Kirche als öffentlich-rechtlicher Institution. Wir denken, dass man mit der Taufe nicht schon automatisch Mitglied in der Körperschaft sein darf. Dazu ist vielmehr eine Willenserklärung nötig, die aber nicht die Eltern für das Kind abgeben sollten. Erst mit der Religionsmündigkeit, also in Deutschland mit 16 Jahren [richtig: 14 Jahren], sollte ein Mensch entscheiden, ob er sich auch der profan-rechtlichen Kirchenorganisation unterwirft. Alles andere ist ein Ärgernis, weil die Taufe so missbraucht wird, um sich finanzielle Einnahmen zu sichern.

Wollen Sie theologisch gesehen eine »Kirche der Armen«? Müssen die Kirchen nicht mit weniger Einnahmen rechnen, wenn das derzeitige Kirchensteuersystem fiele?
Martin: Wir gehen davon aus, dass bei der Einführung unseres »Drei-Säulen-Modells« die Einnahmen weitgehend stabil bleiben: Die Finanzierung der kirchlichen Arbeit könnte durch Spenden und Kollekten, durch Beiträge für Gemeinden und durch Bürgergutscheine erfolgen, die jeder Wahlberechtigte an kirchliche oder gemeinnützige Einrichtungen weiterreicht.

Das ist Ihre Hoffnung?
Martin: Das ist unsere Hoffnung. Aber: Sollte es nach dem Umbau zu weniger Einnahmen kommen, akzeptieren wir dies selbstverständlich. Die Kirchen sollten nur die Gelder annehmen, die sie theologisch redlich erwerben. Die Zukunftsfähigkeit hängt nicht primär von der Höhe des Geldes ab. Wer die zum Hauptziel kirchenleitenden Handelns macht, ist bereits ein Knecht des Mammons.