Predigt am 05. April 2020 in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Stuttgart-Weilimdorf

Predigttext: Markus 14,1-9
Schriftlesung: Apostelgeschichte 5,27-31

Liebe Gemeinde,

mit diesem Gottesdienst am Palmsonntag soll an die 75. Wiederkehr des Todestages von Dietrich Bonhoeffer (am Gründonnerstag, den 9. April 1945) erinnert werden. Dennoch bleibt mein Ausgangspunkt der Predigttext, der gemäß der kirchlichen Ordnung für diesen Sonntag vorgesehen ist: "Die Salbung Jesu in Bethanien"[1] ist eine auf den ersten Blick unscheinbare Geschichte, die exegetisch erst spannend wird, wenn man vergleicht, wie mit ihr in den anderen Evangelien umgegangen wird. Bei Markus und Matthäus, den beiden ältesten Evangelisten, salbt eine namenlose Frau das Haupt Jesu. In den späteren Evangelien, Lukas und Johannes, werden Jesu Füße gesalbt, bei Lukas von einer "Sünderin". Diese Veränderungen haben es in sich. Matthäus und Markus haben Jesu Salbung eindeutig als eine messianische Symbol-Handlung verstanden. Jesus wird (von einer Frau!) zum Messias eingesetzt, zum König Israels gesalbt. Messias, Christus, der Gesalbte, das war für die Juden damals ein politischer Titel, mit dem die Hoffnung verbunden war auf einen Herrscher wie einst König David, auf einen "Davidssohn", und durch ihn die Hoffnung auf die Befreiung von der römischen Fremdherrschaft. Sieht man sich die Reihenfolge der Erzählungen in den Evangelien bei Markus und Matthäus an, so folgt dem Einzug in Jerusalem (mit dem jubelnden Ruf der Volksmenge: "Hosianna, dem Sohne Davids") die Tempelreinigung und dann die Salbung zum Messias. Der Weg Jesu steuert für den Leser beider Evangelien unübersehbar auf einen Höhepunkt zu, auf eine Entscheidung. Die führenden Kräfte in Jerusalem hatten ja längst Jesu Tod beschlossen. Und so wird, nur wenige Tage später, das Volk "kreuzige ihn!" schreien. – Wir blicken hinüber zum Lukasevangelium, bei ihm ist alles ganz anders. Lukas kam es im Blick auf die römischen Besatzer darauf an, Jesus möglichst unpolitisch darzustellen. Eine Salbung zum Messias findet darum in seinem Evangelium nicht statt. Ausdrücklich wird betont: "Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt."[2] Und noch befremdlicher: Eine "Sünderin" – der Leser soll moralisch Anrüchiges denken – salbt Jesu Füße! Und sicherheitshalber wird die Geschichte auch noch an ganz anderer – eher unverfänglichen Stelle – im Evangelium platziert.

Jesus, Messias oder nicht Messias, politisch oder unpolitisch? Juden beharren bis heute darauf, dass Jesus nicht der erwartete Messias gewesen sein könne. Denn, wäre er es gewesen, dann müsste die Welt anders, nämlich erlöster aussehen. Und so steht die Messiasfrage bis heute für die entscheidende Differenz zwischen Juden und Christen.

Zwar hatten die ersten Christen für sich keineswegs die Vorstellung eines mächtigen politischen Messias übernommen, sondern die eines Messias als eines leidenden Gottesknechts. Wir kennen diese Vorstellung aus dem Buch des Zweiten Jesaja (Deurerojesaja) und den uns dort begegnenden Gottesknechtsliedern. Tatsächlich war es genau diese Denkfigur von einem Messias/Christus als leidender Gottesknecht, die den Jüngern Jesu geholfen hatte, die Enttäuschung und Trauer über den Tod Jesu zu verarbeiten. Es waren diese Gottesknechtslieder, die die Jünger Jesu fragen ließen: "Musste nicht der Messias (Christus) solches alles leiden?!" So z.B. die Frage des Unbekannten an die beiden Emmaus-Jünger. Und der Unbekannte, der mit ihnen nach Karfreitag unterwegs war, (der) "öffnete ihnen die Schrift".[3] "Ja, des Menschen Sohn muss(te) viel leiden!" Dahinter stand die Einsicht: Die Welt wird nicht von oben verändert, sondern von unten. Die Jünger wollen das zunächst nicht wahrhaben. Petrus meinte ja: "Das geschehe dir nur ja nicht!" Doch die Antwort Jesu darauf war eindeutig: "Hebe dich Satan von mir! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern, was menschlich ist."[4] Paulus hat dieses messianische Leidensmotiv dann theologisch aufbereitet und mit seinem "Wort vom Kreuz" zum Zentrum seiner Theologie gemacht. "Die Kraft Gottes ist in dem Schwachen mächtig", wurde zu einem seiner Schlüsselsätze.[5] Auch im Buch der Offenbarung wird das deutlich, wo aus dem "Löwen Juda, der Wurzel Davids" das "Lamm wird, das erwürget ist".[6] Vielleicht wäre diese Theologie/Christologie der ersten Christengemeinden für das Judentum noch anschlussfähig gewesen. Doch kam es anders. Sehr bald – schon im NT! – kam es nämlich zu einer Überfremdung dieser Botschaft vom "leidenden Gottesknecht" durch griechisches Denken. Und genau bei dieser hellenistischen Überfremdung des Evangeliums konnten Juden nicht mehr mitgehen.[7]

Und nun sind wir genau damit bei dem Punkt angekommen, der sich für mich mit dem Namen Dietrich Bonhoeffers verbindet. Denn im Zeichen griechisch-mythologischer Vorstellungen war Jesus (in Anlehnung an den griechischen Götterhimmel) zunehmend vergottet worden. Aus dem leidenden Gottesknecht wurde der Gott-Mensch, der menschliche Gott, der gottgleiche Sohn Gottes, der überirdische Wundermann, eine Art Halbgott und schließlich der Pantokrator, wie ihn viele von uns in den römischen Basiliken und Domen als überdimensioniertes Herrscherbild, als prächtiges Mosaik-Bild, in Erinnerung haben. Und genau das konnten und können Juden (und können auch Muslime) nun einmal nicht akzeptieren. Tatsächlich hat Dietrich Bonhoeffer gerade diese Entwicklung immer wieder kritisiert und darauf hingewiesen, dass wir uns als Christen von dieser griechisch-hellenistischen Überhöhung Jesu in eine seinsmäßige Göttlichkeit verabschieden müssen. Bonhoeffer war sich sehr bewusst, dass uns dieses von der Kirche dogmatisierte Verständnis Jesu mit den zwei Naturen Jesu, der göttlichen und der menschlichen Natur in der Person Jesu[8], (dass uns das) vom monotheistischen Judentum aber auch von Jesus selbst trennen musste. Denn Jesus selbst hat sich selbstverständlich mit dem zentralen Bekenntnis der Juden, wie es der Evangelist Markus uns noch überliefert, identifiziert: "Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist EINER!" Aber schon die anderen Evangelien haben das nicht mehr wahrhaben wollen (und so haben sie dieses jüdische Bekenntnis aus dem Munde Jesu gestrichen).[9] Das ist gewiss nicht zufällig geschehen.

Bonhoeffer schreibt in seinem Gefängnistagebuch "Widerstand und Ergebung": "Ich spüre übrigens immer mehr, wie alttestamentlich ich denke und empfinde ... Wer zu schnell und zu direkt neutestamentlich sein und empfinden will, ist m.E. kein Christ."[10] Und an anderer Stelle: Wir lesen "das Neue Testament noch viel zu wenig vom Alten her".[11] Viele Freunde Bonhoeffers haben das Grundsätzliche dieser Aussage nicht gesehen. Dabei hat Bonhoeffer gerade vom AT her die Betonung des "Weltlichen" und die Dimension der "tiefen Diesseitigkeit" entfaltet. Die Zeit der "Innerlichkeit" und des "Religiösen", des "Mythologischen", sagt er, sei vorbei. Er wolle "weltlich" von "Gott" sprechen und fragte: "Wie sind wir 'religionslos-weltlich' Christen?", nämlich: Christen "als ganz zur Welt Gehörige"?[12] Die Person des Jesus von Nazareth wollte Bonhoeffer ganz von seiner Menschlichkeit her verstanden wissen. Und so betonte er, dass bereits. mit der "Lehre von der Jungfrauengeburt der entscheidende Punkt ... verfehlt" werde. Denn: "der Mensch Jesus in seiner Schwachheit und in seiner Sündhaftigkeit (!!), der Mensch Jesus in Krippe und Kreuz, (das gerade ist) der ganze Gott".[13] An anderer Stelle sogar dies: "Der Mensch, der ich bin, ist Jesus auch gewesen. Von ihm allein gilt wirklich, daß ihm nichts Menschliches fremd geblieben ist. Von diesem Menschen sagen wir: dieser ist Gott für uns!"[14] Ausdrücklich lehnt Bonhoeffer eine Vorstellung ab, wonach "zwei vorfindliche isolierte Gegebenheiten (Gott und Mensch) sich (in Jesus Christus) miteinander vereinigt" hätten.[15] Für Bonhoeffer ergibt sich aus dem bisherigen ganz konsequent die Notwendigkeit, von Gott anders als in der griechisch-hellenistisch geprägten Tradition zu reden. Von Gott "weltlich" reden, bedeutet für ihn: Gott ist gerade nicht ein Gott über uns, in einem spekulativen, räumlichen Jenseits, sondern: "Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig!"[16] Grundsätzlich ist es auch nicht so, sagte er, "dass wir unabhängig von und vor Jesus Christus wissen, was und wer Gott ist." Gott, das ist keine schon immer bekannte Idee von Gott. Sondern, was das Wort "Gott" bedeutet, das wird uns erst von Jesus Christus her deutlich.

Vielleicht verstehen wir jetzt, warum Bonhoeffer sich und sein Denken dem Alten Testament in vieler Hinsicht als so besonders nahe empfand, so dass ihm auch der Jude Jesus so wichtig war, dass er von daher im Zusammenhang mit der Judenverfolgung im Dritten Reich sagen konnte: "Wer nicht für die Juden schreit, kann nicht gregorianisch zu singen." Jesus, sagt er in den Evangelien, "gibt seine völlige Einheit mit dem Willen Gottes im Alten Testament zu erkennen."[17] Und in der Linie dieser Übereinstimmung mit dem Willen Gottes sagt er in Gethsemane: "Dein Wille geschehe, nicht wie ich will!" Und die ersten Jünger lernen daraus: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"[18] Ein Wort, auf das sich Bonhoeffer mehrfach bezogen hat.

"Gott mehr gehorchen als den Menschen", diese Haltung hat ihn in den Widerstand geführt. In seinen Tagebuchaufzeichnungen hat er über den Mangel an Zivilcourage geschrieben und dass die Deutschen wohl über zu lange Zeit nur den Gehorsam gelernt hätten und dass "eine entscheidende Grunderkenntnis“ dem Deutschen noch fehle, nämlich die von der Notwendigkeit der freien, verantwortlichen Tat. Die Deutschen (schrieb Bonhoeffer) fangen erst heute an zu entdecken, was freie Verantwortung heißt. Sie beruht auf einem Gott, "der das freie Glaubenswagnis verantwortlicher Tat fordert."[19] Bonhoeffer wusste, wovon er schrieb. In einem Abschnitt, der überschrieben ist "Wer hält stand?", sprach er von der "großen Maskerade des Bösen, die damals alle ethischen Begriffe durcheinander gewirbelt" habe, von der Zeit, in der selbst die "Vernünftigen versagten", sodass zur damaligen Zeit "der Mann des Gewissens sich einsam der Übermacht (habe) erwehren" müssen.[20] Dietrich Bonhoeffer hat damals "in der Neutralität vieler Christen die aller größte Gefahr" für Kirche und Gesellschaft gesehen "angesichts des verletzten Rechts, der unterdrückten Wahrheit, der erniedrigten Menschlichkeit, der vergewaltigten Freiheit"[21]

Nun ist unsere heutige Situation bei weitem nicht zu vergleichen mit der damaligen. Wir leben in einem Rechtsstaat, haben die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung. Und doch mehren sich in der Gegenwart die Situationen, wo man sich oft entschiedenere Haltung und mehr Zivilcourage wünschte. Gustav Heinemann übersetzte Zivilcourage übrigens einfach mit "Bürgermut"! Jan Philipp Reemtsma spricht von "kämpferischer Verteidigung der Demokratie" gegen Gewalt und Machtmissbrauch.[22] Bürgermut und Bürgertrotz wie ihn z.B. die Kapitänin Carola Rackete bewies, als sie dem italienischen Innenminister Salvini im Rahmen ihrer Seenotrettungsaktion trotzte. Bürgermut gegen eine verbreitete, sich ins Schweigen zurückziehende Neutralität, nach dem Motto: Ja, nicht Farbe bekennen, sich ja keine Blöße geben, ja nicht auffallen, sich am besten aus allem heraushalten. Dagegen wieder ein Wort Bonhoeffers: "Schweigen im Angesicht des Bösen ist selbst böse." Gott werde uns um unseres Schweigens willen nicht als schuldlos betrachten, denn, so Bonhoeffer: "Nicht zu sprechen ist sprechen; und nicht zu handeln ist handeln." Und an anderer Stelle: "Das größte Hindernis des Menschen, Gott seinen Herrn sein zu lassen, d.h. (wirklich an Gott) zu glauben (und diesen Glauben zu leben), ist unsere Feigheit."[23] Auf dem letzten Kirchentag hat Kirchentagspräsident Leyendecker im Zusammenhang mit fehlender Zivilcourage an Pilatus erinnert, er sagte: "Pilatus hat seine Hände in Unschuld gewaschen. Europäische Politikerinnen und Politiker waschen ihre Hände in dem Wasser, in dem Flüchtlinge ertrinken." Und Eugen Drewermann hat unser Thema auf den sehr einfachen Nenner gebracht: "Lieber das Gesetz brechen als das Herz eines Menschen!"[24]

"Die Bibel (sagt Bonhoeffer) weist den Menschen an die Ohnmacht und das Leiden Gottes (in der Welt). Nur der leidende Gott kann helfen." Für den "mündigen" Christen käme es darum darauf an, "mit einer falschen Gottesvorstellung aufzuräumen", so dass der Blick frei werde "für den Gott der Bibel, der durch seine Ohnmacht in der Welt Macht und Raum gewinnt."[25]

Nun gibt es seit einiger Zeit – und zwar gefährlich anwachsend – nicht nur in Deutschland den Druck der Straße von denen, die ihre Hassbotschaften für "Volkes Stimme" ausgeben. Und so gibt es erneut unter uns Menschen, die sich mit ihrem Gewissen "einsam einer bösartigen Übermacht erwehren" müssen. Eine Bürgermeisterin beklagt sich angesichts des schwindenden Rückhalts in ihrer Gemeinde: "Ich habe darunter gelitten, dass die Mitte der Gesellschaft geschwiegen hat. Die Rechten haben angefangen, die Vereine zu unterwandern, den Faschingsverein, den Badverein, den Fußballverein und die Feuerwehr." Nach ihrem Rücktritt spekuliert nun ein Mann der AfD auf ihren Posten, ausgerechnet einer, der mit anderen zusammen bereits Iraker angegriffen hatte.[26] Das ist kein Einzelfall. Auch andere Bürgermeister haben bereits resigniert, nicht nur in den neuen Bundesländern. In einer Reihe von Gemeinden finden sich aufgrund solcher Vorkommnisse keine Kandidaten mehr für dieses Amt. Hier sind wir, Christen wie Nicht-Christen, berufen, wachsam zu sein und Bürgermut zu beweisen, und als Christen eben "Gott (oder dem Gewissen) mehr zu gehorchen als den Menschen"! Denn Zivilcourage bedeutet, dass das Eintreten für die Menschenwürde aller Menschen für uns zur Selbstverständlichkeit werden muss. Was übrigens die angebliche "Stimme des Volkes" (und des Völkischen) angeht, so hatte Bonhoeffer bereits 1933 in dem von ihm formulierten Betheler Bekenntnis formuliert: "Wir verwerfen die Irrlehre, dass Volkes Stimme Gottes Stimme sei." Und er erinnerte daran, dass das Volk in der Passionsgeschichte erst "Hosianna" und dann "Kreuzige" geschrien hat. Bonhoeffer reagierte damit auf Äußerungen von Joachim Hossenfelder, dem Führer der damaligen antisemitischen Glaubensbewegung "Deutsche Christen" (DC), der getönt hatte: "Und Gott sprach: 'Es werde Volk!' und es ward Volk."[27] Man hat damals überhaupt viel vom Volks-Nomos, vom Naturgesetz des Völkischen, gesprochen. Und genau dagegen hat Bonhoeffer das Gesetz Christi und das Gebot Gottes gestellt.[28] Das göttliche Gesetz ist für ihn die Kritik an allen vermeintlich naturgegebenen, biologischen Gesetzen. "Für mich (sagt Bonhoeffer) ist die Hauptfrage an Menschen und Völker, ob sie gelernt haben, zusammen mit anderen Menschen und Völkern zu leben oder nicht."[29] Und er sagt weiter: "Verdummter Volkswille kann als Instrument zu allem Bösen dienen."[30]

In seinem noch heute beeindruckenden Buch "Nachfolge" hat Bonhoeffer unter der Devise "Beten und Tun des Gerechten unter den Menschen"[31] beschrieben, worauf es bei unserem Christsein ankommt, dass wir uns nämlich orientieren an dem, was uns Jesus vorgelebt und in dem großen Gleichnis vom Weltgericht zu tun aufgetragen hat: Was ihr getan habt den Geringsten, den Schwächsten, den Bedürftigsten und nicht zuletzt den Fremden, den Andersdenkenden, das ist entscheidend. Die Option für die Armen und Fremden also! In diesem Sinne sollen wir, sagt Bonhoeffer, "gewissermaßen Gott und die ganze Welt in uns beherbergen."[32]

Amen.


[1]Zur Auslegung dieser Perikope vgl. Pinchas Lapide: "Warum kommt er nicht? Jüdische Evangelienauslegung" (GTB-Siebenstern 1421, 33-40)

[2]Lukas 7,46

[3]Lukas 24,26 – So fragt der Unbekannte die beiden Emmausjünger

[4]Markus 8,31-33

[5]2. Korinther 12,5-10

[6]Offenbarung 5,12

[7]Ein anderer, ursprünglich möglicherweise sogar noch entscheidenderer Grund für den Bruch zwischen Judentum und Christentum könnte in der Preisgabe des exklusiven Heilsanspruches des auserwählten Volkes durch die hellenistischen Judenchristen in Jerusalem gelegen haben. Dass sich dieser Teil der ersten Christengemeinde (um Stephanus und Philippus) von den Heilsgrundlagen des jüdischen Volkes gelöst hatte, und damit das jüdische Gesetz an entscheidender Stelle gebrochen hatte, war wohl auch die Begründung für Paulus vor seiner Bekehrung, die hellenistischen Judenchristen bis nach Damaskus zu verfolgen. (Vgl. Günther Bornkamm: "Paulus", 3. Aufl., 37f; Urban-Taschenbücher 119)

[8]Vgl. die Dogmatisierungen auf dem Konzil von Nizäa (325) und auf dem von Chalcedon (451).

[9]Markus 12,29 – "Jesus gibt seine völlige Einheit mit dem Willen Gottes im Alten Testament, in Gestz und Propheten zu erkennen. Er hat den Geboten Gottes in der Tat nichts hinzuzufügen. Er erfüllt es bis zum Jota." (Dietrich Bonhoeffer, DBW 4, 117; N, 97)

[10]Dietrich Bonhoeffer, DBW 8, 226 (WuE, 112f)

[11]Dietrich Bonhoeffer, DBW 8, 408 (WuE, 182)

[12]Dietrich Bonhoeffer, DBW 8, 402-408

[13]Dietrich Bonhoeffer, DBW 12, 341 (Gesammelte Schriften III, 233) – Die Jungfrauengeburt war auch noch Paulus und den Evangelisten Markus und Matthäus unbekannt.

[14]Dietrich Bonhoeffer, DBW 12, 346

[15]Damit wird die Kondeszendenzvorstellung (Philipper 2,6ff) ebenso zurückgewiesen wie der Präexistenz-Gedanke.

[16]Dietrich Bonhoeffer, DBW 8, 408 (WuE, 182)

[17]Dietrich Bonhoeffer, DBW 4, 117 (Nachfolge, 1971, 97)

[18]Apostelgeschichte 5,29

[19]Dietrich Bonhoeffer: DBW VIII, 24 ("Widerstand und Ergebung")

[20]Dietrich Bonhoeffer: DBW VIII, 20f (WuE, 11)

[21]Dietrich Bonhoeffer: DBW VI, 346 ("Ethik")

[22]Jan Philipp Reemtsma: "Bei Worten sind Übergrößen zu vermeiden" (in der Programmreihe "Voices for Democracy", Teil 4; Süddeutsche Zeitung, 29. 01. 2020)

[23]Dietrich Bonhoeffer: DBW XII, 449

[24]Ich weiß nicht mehr, wo ich dieses schöne Zitat aufgelesen habe.

[25]Dietrich Bonhoeffer: DBW 8, 534f (WuE, 242)

[26]Annett Mängel: "Nachhaltig gegen Rechts: Demokratieprojekte sichern" (in: "Blätter für deutsche und internationale Politik" 1/2020, 9-12, hier 12)

[27]Dietrich Bonhoeffer: DBW XII, 374, sowie Anm. 21

[28]Dietrich Bonhoeffer: DBW XII, 171-173

[29]Dietrich Bonhoeffer: DBW VII, 176

[30]Dietrich Bonhoeffer: DBW XII, 182

[31]Dietrich Bonhoeffer: DBW VIII, 435 ("Widerstand und Ergebung" = WuE, 207)

[32]Dietrich Bonhoeffer: DBW VIII, 453 (WuE, 209) – Hier sei noch an das wichtige Gedicht Bonhoeffers erinnert: "Christen und Heiden" mit der letzten Zeile der zweiten Strophe: "Christen stehen bei Gott in seinem Leiden." (Dietrich Bonhoeffer: DBW VIII, 515f (WuE, 247)