Samstag, 30. Mai 2020

Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.

4.Mose 22,18

Wir sind ja nicht wie die vielen, die mit dem Wort Gottes Geschäfte machen; sondern wie man aus Lauterkeit und aus Gott redet, so reden wir von Gott in Christus.

2.Korinther 2,17

Gott und Geld. Religion und Tempelschatz. Kirche als Gemeinschaft der Heiligen und als Organisation mit Haushaltsplan. Eine alte Verbindung von Anfang der menschlichen Kultur an.

Die imperiale Macht Roms plünderte im Jahr 70 den Tempelschatz von Jerusalem, 320 Tonnen schwer. Bis heute wird gefragt, in welche Kanäle und Taschen dieser sagenhafte Schatz gekommen ist. Die zentrale Bank des antiken Rom wurde in Nähe der wichtigsten Tempel geführt.

Heute wäre eine Verflechtung etwa der Europäischen Zentralbank mit den Kirchen nicht in dieser Form gegeben. Das hat viele Gründe, hängt vor allem mit der „Säkularisierung“ zusammen, der Trennung des Staatlichen und des Ökonomischen von Religion, Kirche, Glaube.

Unterschwellig aber gibt es weiterhin Verbindungslinien, weniger durch die Notwendigkeiten auch für religiöse Organisationen, ihre ‚äußeren“ Gegebenheiten (Personal, Gebäude …) zu finanzieren, sondern auf einer tieferen Ebene; denn bei „Gott“ und bei „Geld“ geht es mindestens auch um „Macht“.

Paulus packt die Wurzel der Problematik, indem er behauptet, es gäbe ein „Reden“ „aus Gott“ und „in Christus“ im Unterschied zu einem nur scheinbar geistigen, in Wahrheit rein interessegeleiteten Reden, das „mit dem Wort Gottes Geschäfte“ macht.

Und dieser Gedanke führt wieder eine Ebene tiefer zu der Frage, ob es das überhaupt geben kann: ein Interesse-loses Reden von Gott „aus Gott“. Wie sollte das gehen? Wer kann für sich selbst die Hand ins Feuer legen – einmal mehr dies – und wahrscheinlich machen, bei ihm oder ihr sei es nun einmal so, dass da keine „unlauteren“ Interessen mit im Spiel wären, wenn er oder sie von „Gott“ redet?

Paulus könnte auf eine entsprechende Frage an ihn selbst – an dieser Stelle ähnlich Luther – nur auf den gekreuzigten Jesus Christus verweisen. Wir können es heute psychologisch und theologisch informiert so sagen: An diesem Menschen, ein Mal in der Weltgeschichte, mag es gewesen sein – jedenfalls wird es so erzählt! – dass Gott seine eigenen „Interessen“ paradoxer Weise nur dadurch hat durchsetzen können und wollen, als dass Gott „in“ seinem „Sohn“ Jesus alle eigenen „Interessen“ radikal aufgab. Kürzer gesagt: Jesus stirbt den Kreuzestod. Da. H.: Jesus verzichtete auf das eigene Überleben, auf das eigene Leben, auf sein Recht auch! Theologisch heißt das vielleicht: Genau so bekommt Gott „Recht“, indem Gott an sich selbst („in Jesus“) sich von den Menschen, von „uns“ töten, ja: ver-nichten lässt.

Durch diese Tiefe hindurch ergibt sich dann erst – dann aber wirklich – die „Lauterkeit“, von der Paulus zu sprechen wagte.

Dietrich Bonhoeffer mag es genau so gesehen haben:

„Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott läßt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns. Es ist Matthäus 8,17 ganz deutlich, daß Christus nicht hilft kraft seiner Allmacht, sondern kraft seiner Schwachheit, seines Leidens!“ (DBW 8, 534).

Herzlich grüßt,

Ihr Bernd Vogel