Herbsttagung des dbv vom 18.-20. September 2020 im Haus Hainstein in Eisenach

„Was glauben wir wirklich, d. h. so,
daß wir mit unserem Leben daran hängen?“
Bonhoeffers Glaube und wir heute

Einladung

Nach dem 21. Juli 1944 und in Anbetracht einer vielleicht nur noch kurzen Lebensspanne plante Dietrich Bonhoeffer ein theologisches Manifest. Er wolle für die Zukunft der Kirche einen „Dienst“ tun, heißt es scheinbar bescheiden im Brief an Eberhard Bethge. Tatsächlich zeigt das Exposé, dass er nicht weniger als einen Neuanfang der evangelischen Theologie plante, wie es ihn zu seiner Zeit gut 20 Jahre vorher mit Karl Barths „Römerbrief“ (1919/1922) gegeben hatte. Bonhoeffer wollte seine in der Zeit der Konspiration und in der Haft neu konzipierte Theologie in einer 100-seitigen Schrift auf den springenden Punkt bringen.

Jahrzehntelang sind diese 3 ½ Buchseiten aus „Widerstand und Ergebung“ nur als Steinbruch für Zitate verwendet worden. Dabei sind die Anlage und die Begriffe auf dem Hintergrund von Bonhoeffers theologischem Lebenswerk hinreichend klar. Es lohnt sich für uns heute, wesentliche Züge des Manifests zu rekonstruieren und Linien auszuziehen mit der Frage, was denn „wir“ „wirklich“ „glauben“, so dass wir mit unserem Leben daran hängen.

Diese zentrale Fragestellung, der sich Dr. Bernd Vogel am Samstagvormittag widmet, wird im Sinne von Bonhoeffers Formel vom „Beten und Tun des Gerechten“ weiter beleuchtet. Zum Auftakt der Tagung nähern sich Petra Roedenbeck-Wachsmann und Bernd Vogel dem Aspekt „Beten“. Sie bieten ein „Feature“ unter dem Titel: „Klösterlicher Eros“ (Barth)? Was wollte Bonhoeffer bei Gandhi lernen? – zu einem aufgefundenen Dokument. Dr. Friederike Barth vertieft den Blick in Bonhoeffers „Ethik“-Fragmente u. a. mit der Frage, ob und inwiefern uns Bonhoeffers Ethik heute Neues zu sagen hat.

Ein theologisch-politischer Frühschoppen mit Ingeborg Waldherr zu den Tagebüchern Etty Hillesums ist der thematische Höhepunkt am Sonntag unter der übergreifenden Frage: „Was glauben wir wirklich …?“