Samstag, 25. März 2017
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Einer der für Dietrich Bonhoeffer engagierten Chöre in der Bundesrepublik ist der Kleine Chor Burgdorf bei Hannover unter der Leitung von Ilsabe Bartels-Kohl. Dieser Chor hat das Oratorium auf den Kirchentag in Dresden gebracht, Jetzt kam es zur Aufführung in London. Geplant sind Aufführungen in Polen und in den USA. Hier ein Bericht aus Burgdorf über die Pfingst-Konzertreise nach London.

Lied-Oratorium: Dietrich Bonhoeffer

Musik: Matthias Nagel, Text-Konzeption: Dieter Stork

10:30 Uhr, 27. Mai 2011, Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Forest Hill, London

Dirigentin: Ilsabe Bartels-Kohl

Sopran: Julia Meinecke, Tenor: Martin Lüssenhop, Sprecher: Matthias Paul

Pfingsten: Vom Geiste bewegt 

Die vielen Gäste von jung bis alt, die an diesem wunderschönen Pfingstsonntag die Bänke der Bonhoefferkirche füllten, verliehen mit ihrer Anwesenheit dem Gottesdienst eine besondere festliche Note. Nachdem die so vertraute und doch unheimliche Pfingstgeschichte vorgelesen worden war, nahm Pastor Lincoln die Gelegenheit wahr, der Gemeinde etwas aus einer Pfingstpredigt von Bonhoeffer vorzulesen, sozusagen als Auftakt zu der kommenden musikalischen Darbietung.

Das Oratorium besteht aus einer Reihe von mehrstimmigen Sätzen, die voneinander durch kurze von einem Sprecher vorgelesene Texte getrennt sind – zum Teil Abschnitte aus Bonhoeffers Lebensgeschichte, aber auch viele von Bonhoeffers Gedichten und Betrachtungen. Den Chor begleiten Klavier, ein kleines Kammerorchester und Schlagzeug. Eine der musikalischen Einlagen (mit einer Melodie von J.S. Bach) weicht von dem Schema ab, indem die Instrumente den Sprecher und nicht den Chor begleiten.

Die Abfolge der Texte ist in der Hauptsache chronologisch und die Liedtexte sind passend dazu geschrieben bzw. ausgewählt. Trotz des Ernstes der Materie sind die Musikstücke durchaus positiv-optimistisch. Damit spiegeln sie Bonhoeffers eigene Lebensfreude, seinen Humor und seine Liebe zur Musik wieder. Es kommen immer wieder fetzige Refrains vor, die zum Mitsingen anregen.

Die gut einstudierte Aufführung holte fast alles heraus, was aus dem Werk zu schöpfen war. Die Sängerinnen und Sänger zeigten, was sie konnten. Alle Noten saßen sicher und sauber. Ein guter Chor ist dadurch gekennzeichnet, dass sich viele Stimmen zu einer Note vereinen, ob fortissimo oder pianissimo – und dieser Chor ließ in dieser Hinsicht keinen Wunsch unerfüllt. Die beiden Solisten bildeten einen wohltuenden Kontrast. Besonders in der Vertonung des Morgengebets ("In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht ...") kamen ihre unterschiedlichen und gut geschulten Stimmen zur Geltung; den inneren Konflikt zwischen Zweifel und Zuversicht stellten sie sehr anschaulich dar.

Die Instrumentalisten begleiteten die Stimmen mit Elan, aber auch mit viel Einfühlsamkeit. Besonders der Schlagzeuger Tobias Decker beeindruckte mit einer erstaunlichen Vielfalt von Geräuschen, deren Erzeug­ung mit einer abenteuerlichen Abwechslung von Instrumenten beachtliches sportliches Können erforderte.

Das ganze verschmolz für die Zuhörer zu einem bewegenden Erlebnis, das noch lange in der Erinnerung bleiben wird.

                                                                                                                                       Immo Hüneke