Tagesveranstaltung am 9. April 2022 von 14 Uhr - 22 Uhr

Ort: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Gedächtnisallee 5, 92696 Flossenbürg

Arbeitstitel: Wem gehört Bonhoeffer? Bonhoeffers Geistiges Erbe und seine Vereinnahmung von „rechts“

Erläuterungen zum Thema:

Am 14. April 2019 wurde anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ-Flossenbürg durch die US-Armee eine Gedenktafel zu Dietrich Bonhoeffer durch den damaligen US-Botschafter Richard Grenell enthüllt. Gestiftet wurde diese Tafel von der „US-Comission for the Preservation of America’s Heritage Abroad“, deren Schirmherr der jeweils amtierende Präsident der Vereinigten Staaten ist, mithin derzeit Donald Trump, dessen Namen auch auf der Tafel als „Stifter“ erscheint.

Die Anbringung dieser Gedenktafel hat ein breites Echo ausgelöst, insbesondere in Zusammenhang mit der Problematik, dass Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers in den USA von der rechten evangelikalen Szene vereinnahmt wird. Der Schlüsselbegriff dieser Szene ist der „Bonhoeffer-Moment“ (Metaxas). Der US-Vizepräsident Pence jubelte in einem Twitterkommtar zu Grenells Aktivität: „Danke für deinen guten Job, du stehst jeden Tag dafür ein, dass POTUS‘ America First-Agenda in Deutschland erfolgreich ist.“ POTUS ist die Abkürzung für den „President of the United States“.

Im Hintergrund des Echos auf die Enthüllung dieser Gedenktafel steht auch, dass die politische „Rechte“ und anders politisch aufgestellte autoritär denkende Gruppierungen in Deutschland Dietrich Bonhoeffer und andere Vertreter*innen des „Deutschen Widerstandes“ zunehmend u. a. durch Verwendung aus dem Zusammenhang gerissener Zitate für sich entdeckt haben und für ihre Interessen instrumentalisieren.

Die Veranstaltung an dem Ort, an dem Dietrich Bonhoeffer vor 76 Jahren gehenkt wurde, soll dazu beitragen, solch Instrumentalisierung offen zu legen, die Gefahren, die damit verbunden sind, Dietrich Bonhoeffers Werke als Steinbruch für fromme Sprüche und diffusen Widerstandspathos zu nehmen, zu reflektieren und die Teilnehmenden in die Lage versetzen, dieser Vereinnahmung argumentativ entgegenzutreten und zu wehren.

Zum Auftakt der Veranstaltung wird der Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit, zu einer fundierten Führung durch die Gedenkstätte einladen. In den sich anschließenden Vorträgen wird Dr. Skriebeleit dazu Stellung nehmen, wie es zu der Platzierung der Gedenktafel kam, Dr. Bernd Vogel wird problematische Aspekte im politischen und theologischen Ansatz Dietrich Bonhoeffers beleuchten und der ehemalige EKD-Präsident Heinrich Bedford-Strohm (angefragt) wird die Instrumentalisierung Dietrich Bonhoeffers reflektieren.

Des Weiteren werden Mitglieder der in der Gedenkstättenarbeit aktiven Evangelischen Jugend über ihre Arbeit in der Gedenkstätte berichten. Die Künstlerin Doris Graf wird ihre Aktion: „Ich, Bonhoeffer“ mit Teilnehmenden vor Ort durchführen. In Arbeitsgruppen werden die Teilnehmenden Gelegenheit zur eigenen Positionierung und zum Austausch haben.